Kassel, 09.09.2022

Hilfe, wenn die Seele in größter Not ist | Das „Kriseninterventionsteam Nordhessen“ ist neuer ASB-Leistungsbereich

Ein Pflaster für die Seele. Dieser Satz umschreibt gut die Aufgabe eines neuen Leistungsbereichs beim ASB-Regionalverband Kassel-Nordhessen, der bald an den Start gehen soll: das „Kriseninterventionsteam (KIT) Nordhessen“. Bereits Teil des Teams sind sechs ehrenamtliche Kriseninterventionshelfer mit viel Erfahrung in der „Psychosozialen Notfallversorgung“. Sie helfen Menschen direkt nach einem Unglück bei der Bewältigung von kritischen Lebensereignissen – sie leisten erste Hilfe für die Seele.

Krisenintervention ist der Rettungsdienst für die Seele

Die Kriseninterventionshelfer stehen in Situationen wie Unfällen mit Schwerverletzten und Toten,  plötzlichen Todesfällen nach akuter Erkrankung oder Suizid, traumatischen Ereignissen wie ein Brand  oder Vermisstenfall einerseits den Betroffenen zur Seite, andererseits den Rettungs- und Einsatzkräften. Sie begleiten beispielweise die Polizei, wenn Todesnachrichten überbracht werden. Oder sie werden zu Unfallorten gerufen, etwa bei einem  Zugunglück, um Betroffene, Zeugen und Helfer zu betreuen. In einem solchen Notfall werden sie von Rettungsdienst, Feuerwehr, Polizei oder Notärzten über die Leitstelle gerufen.

Zuhören, miteinander reden und schweigen

Ihre Arbeit ist von unschätzbarem Wert: Denn Menschen werden in der Regel unvorbereitet durch Not- oder Unglücksfälle getroffen und damit plötzlich aus ihrem „normalen“ Alltag gerissen. Stirbt etwa ein Kind bei einem Unfall oder ein Angehöriger durch Suizid, fallen die Reaktionen so unterschiedlich aus, wie die Menschen es sind. Oft bleiben die Hinterbliebenen allein und hilflos zurück. Hier helfen die Mitarbeitenden des Kriseninterventionsteams, die für solche Situationen speziell ausgebildet sind.

Sie bauen eine Brücke zu den traumatisierten, trauernden Menschen auf und schaffen so Raum für deren Trauer. Sie bieten ihnen Gespräche an, hören ihnen zu, schweigen mit ihnen und kümmern sich, wenn weitere Hilfe gebraucht wird. Die Erfahrung zeigt, dass das KIT Menschen in ihren schlimmsten Situationen eine Hilfe ist und dass die Betroffenen aus den Stunden, die es für sie da ist, erneut Lebensmut zum Weitermachen schöpfen.

„Region Nordhessen profitiert von diesem Angebot“

„Ich freue mich sehr, dass wir mit gut ausgebildeten, motivierten und ehrenamtlichen Kriseninterventionshelfern einen neuen Bereich etablieren können. Ehrenamtliches Engagement, gerade für Menschen in schwierigen Situationen, kann gar nicht hoch genug angerechnet werden. Mich macht das sehr stolz“, sagt der erste Vorsitzendes des Regionalverbands, Philipp Brake. „Mit dem ‚KIT Nordhessen‘ werden wir sowohl intern für Mitarbeitende als auch extern ein Angebot für psychosoziale Notfälle etablieren. Gerade die Ereignisse der vergangenen Jahre haben diesen Bedarf aufgezeigt. Insofern profitiert die gesamte Region Nordhessen von diesem Angebot.“

Ausbildung an der KIT-Akademie in München

Für das richtige Handeln haben KIT-Mitglieder eine fundierte und praxisnahe Ausbildung in der „Psychosozialen Notfallversorgung“ absolviert. Der Basiskurs dauert 20 Stunden bzw. ein Wochenende. Die anschließende Vollausbildung umfasst 80 Stunden in Voll- oder Teilzeit. Angeboten werden sie von der KIT-Akademie des ASB in München. Neben Weiterbildungen gehören auch Supervisionen zum Alltag: „Man nimmt hier und da etwas von dem Erlebten mit nach Hause. Was dann hilft, sind Gespräche mit Menschen, die mir zuhören. Und ich höre ihnen zu“, sagt eine der KITlerinnen.

Verstärkung gesucht: Infotage im September und Oktober

Der ASB Kassel-Nordhessen und das „KIT Nordhessen“ freuen sich über Interessierte, die sich als Kriseninterventionshelfer engagieren möchten. Die Kosten ihrer Ausbildung trägt der Regionalverband.  Es sei ein interessantes Arbeitsfeld, das für einen selbst prägend sei, sagt einer von ihnen. Und: „Das Schönste an der KIT-Arbeit ist für mich am Ende eines Einsatzes, das leise ‚Danke‘ des Betroffenen.“ Eine seiner Kolleginnen beschreibt die Arbeit als „eine sinnstiftende Tätigkeit, die Menschen hilft“.

Wer Interesse hat im „KIT Nordhessen“ mitzuwirken, ist herzlich zu zwei Informationstagen im ASB-Loft, Erzbergerstraße 51 in Kassel, eingeladen. Die Termine sind am Samstag, 10. September, 12 bis 16 Uhr, und am Samstag, 15. Oktober, 12 bis 16 Uhr. Dann steht das Kriseninterventionsteam Nordhessen für persönliche Gespräche und detaillierte Informationen und zur Verfügung stehen.

Wir haben Ihr Interesse geweckt? Sie haben Fragen? Schreiben Sie uns unter: ._-{h[bZ+0wzX`~i4%d'G]#[tI|8JOEbuzj_AFr]tpmg&.

Das „Kriseninterventionsteam Nordhessen“ (von links): Judith Simandi, Stefan Jäger, Markus Schmidt, Sabina Klein und Iris Hein. Nicht auf dem Foto: Heike Pflüger

Foto: ASB / Kothe